Miriam Toews – Die fliegenden Trautmans

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Andi Meyer am 8. Mai 2010 um 17:22 Uhr

Mit dem traurig-komische Roman der kanadischen Autorin musste ich mich erst einmal anfreunden. Doch nach einigen Seiten sind mir Hattie, Logen und Thebes ans Herz gewachsen. Hattie kehrt aus Paris nach Kanada zurück und kümmert sich um die Kinder ihrer Schwester. Min, seit ihrer Kindheit depressiv, musste in die Klinik eingeliefert werden. Hattie macht sich mit den beiden Kindern auf den Weg und sucht den verschwundenen Vater. Auf ihrer Fahrt von Kanada durch die USA stehen seltsame Begegungen. Vieles geht schief. Das ungleiche Trio kommt dabei ins Gespräch über die Lebenserfahrungen in dieser seltsamen, anarchistischen Familie. Die humorvoll-tragische Frühreife der Kinder steht im Kontrast zu Hatties kindlich-einfachen Aus- und Rückblick auf ihre Beziehungen zu Eltern, Schwestern und ihrem (Ex-)Freund in Paris. Am Ende habe ich mich darüber gefreut, dass ich durch Miriam Toews die fliegenden Trautmans auf einem Teil ihrer Reise begleiten konnte.

Leo Tolstoi – Der Tod des Iwan Iljitsch

Andi Meyer am 24. April 2010 um 00:12 Uhr

Iwan Iljitch ist ein erfolgreicher Richter. Keine Koriphäe, aber respektiert. Er spielt das Spiel nach den Regel, mehr oder weniger, im Beruf und in der Familie. Doch die Spannungen in der Ehe nehmen zu. Da erkrankt Richter Iljitsch. Wo zunächst die beigezogenen Ärzte und Experten hoffnungsvoll sind, spürt Iwan immer deutlicher, dass er am Anfang vom Ende steht. Dabei hat gerade er das ja nun nicht verdient.

“Ja, ja, es war ein Leben da, und nun geht es fort, es geht fort und ich bin nicht im Stande es zurückzuhalten. … Bis jetzt war ich im Licht, jetzt werde ich in der Finsternis sein. – bis jetzt war ich hier, und nun muss ich wegziehen. Ja, aber wohin? … Ich werde nicht mehr dasein, was wird also dasein? Nichts wird mehr dasein. Wo werde ich also sein, wenn ich nicht mehr sein werde? Ist es wirklich der Tod? Nein, ich will nicht.” (S. 63)

Ein schrecklicher Todeskampf muss noch durchlitten werden. Doch nach der Agonie ist Iwan Iljitsch mit dem Tod und mit seinem Sterben versöhnt.

“Wie gut und wie einfach ist es doch, dachte er. “Und der Schmerz, was soll ich mit ihm anfangen? Wo bist du, du der Schmerz?”, fragte er sich. Und er begann zu lauschen. “Da ist er ja. Nun, meinetwegen, er kann da sein. Und der Tod? Wo ist er?’
Er suchte nach der früheren ihm gewohnten Angst vor dem Tod, er fand sie nicht. “Wo ist er? Welcher Tod?” Die Angst war nicht da, denn auch der Tod war nicht mehr da.
Anstelle des Todes war Licht.

Tolstois Erzählung hat mich bewegt. Sprachgewandt erfasst er das Leben, die Launen und das Leiden des Iwan Iljitsch. Er zeigt Emotionen, Gedanken und Wirkungen vor allem bei der Hauptperson, aber auch bein den Nebenfiguren. Für mich ein Büchlein, dass ich mir beim Thema Tod und Sterben immer wieder vornehmen werde.

Gelesen April 2010

Douglas Adams – The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

Kategorie: Gelesene Bücher
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Andi Meyer am 20. März 2010 um 13:21 Uhr

Nun also noch ein Vorstoss zur Frage auf die Antwort (bekanntermassen 42) to the Ultimate Question of Life, the Universe, and Everything. Aber diesmal habe ich den richtigen Weg gewählt, das englische Hörbuch. The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy read by the Author Douglas Adams. Die Zeit im Fitnessklub fliegt. Mein Körper wird gestählt, während mein Geist per Anhalter durch die Galaxis reist und sich nach einem Weizenbier im Restaurant am Ende des Universums sehnt.

Es ist der fünfte Versuch, mich diesem Standardwerk für die Reise per Anhalter durch die Galaxis anzunähern. Mehrere Leseversuche mit der deutschen Fassung sind gescheitert. Deutsch ist definiv nicht die empfohlene Sprache für intergalaktische Ausflüge. Der kleine, gelbe Babelfisch konnte sich in deutschen Gewässern wohl nie wirklich integrieren. Deutlicher Beleg dafür ist die Tatsache, dass der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in weiten Teilen der Galaxis nicht auf angemessenes Interesse gestossen ist.

Die Verfilmung des Romans versetzte mich nach 41 Minuten in den Gemütszustand, in dem Marvin, depressiver Roboter und einzig gelungener Filmcharakter, sich befindet. Im Gegensatz zu Marvin konnte ich aber nicht einfach in eine Ecke sitzen und mich ausschalten. Ich konnte lediglich den Stecker des DVD-Players ziehen. Unterstütz durch einen Pan-Galactic Gargle Blaster hätte ich mich aus der beginnenden Depression retten können. Doch das Rezept war nicht greifbar, und so brauchte ich 42 Tage Bettruhe zur Verarbeitung des visuell-neurologischen Schocks, in den Garth Jennings mich mit wenigen szenischen Darstellungen versetzt hatte. Schaue ich mir die Verfilmung noch einmal an? Das würde den Infinite Improbability Drive der Heart of Gold dazu veranlassen, ihre Passagiere mitten in der Therwiler Eierläset (ein pangalaktisches Ereignis) abzusetzen oder das bekannte Universum in einer anderen Richtung zu verlassen.

The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy ist mein erstes Hörbuch überhaupt. Inzwischen lausche ich dem zweiten Band (The Restaurant at the End of the Universe) dieser Trilogie in fünf Teilen. Meine Trainingszeit wird immer länger. Zweifellos bin ich nach dem letzten Band fit für die Reise und erwarte die erste fliegende Untertasse, die  einen Anhalter aus dem Baselbiet in die Galaxis mitnimmt.

Juli Zeh – Schilf

Kategorie: Gelesene Bücher
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Andi Meyer am 6. März 2010 um 08:40 Uhr

Auf Grund einer exzellenten Zeitungsrezension und der fast ausnahmslos guten Bewertungen bei amazon habe ich dieses Buch auf meine Leseliste gesetzt. Der Zufall wolte es, dass ich es zufällig in einer Brockenstube entdeckt habe, eigentlich auf der Suche nach weiteren Romanen von Hakan Nesser. Als Physiker war ich besonders gespannt auf diese Geschichte über Sebastian, Oskar und die Physik verwoben mit einer Kriminalgeschichte.

Auf dem Titelbild der Taschenbuchausgabe ist zitiert: “Schräg, nervenaufreibend und unvergesslich wie Hitchcocks Meisterwerk.” Leider kann ich nur den Adjektiven schräg und nervenaufreibend zustimmen. Entnervt habe ich das Buch nach ca. 200 Seiten weggelegt. Ich werde es bald vergessen. Doch offenbar gibt es Leser, denen dieser Roman sehr gut gefällt. Schauen sie sich deshalb auch die Rezensionen auf amazon.de an (Anzeige links).
(Gelesen bzw. Nicht-gelesen im Januar 2010)

John Grisham – Berufung

Kategorie: Gelesene Bücher
Andi Meyer am 28. Februar 2010 um 10:24 Uhr

Ungewöhnlich, der Roman Berufung beginnt mit einem Urteil der Geschworenen. Jeannette Baker gehört zu den zahlreichen Opfern des skrupellosen eines grossen US-Chemiekonzerns. Sie hat ihre Familie verloren und wie viele andere Bewohner von Bowmore sah sie die Ursache für die fünfzehn mal höhere Zahl von Krebsfällen im Chemiemüll, der jahrelang ungereinigt im Grundwasser von Bowmore versickerte. Die Geschworenen fällen ihr Urteil und verurteilen den Chemiegiganten zu 41 Millionen Dollar Schadenersatz. Doch kein Dollar, so schwört sich der oberste Chef des Konzerns, soll an Jeannette Baker gezahlt werden. Der Fall geht in die Berufung. Finanziert durch unbegrenzte Resourcen und organisiert von erfahrenen Politprofis werden Richter und Wähler hinters Licht geführt und manipuliert mit dem einen Ziel, das Berufungsverfahren zu gewinnen.
(Gelesen im Januar 2010)

Philip Roth, Empörung

Kategorie: Gelesene Bücher
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Andi Meyer am 12. September 2009 um 11:59 Uhr

Das Buch hat mich gepackt. Ich kann es wärmstens empfehlen. Aus Zeitgründen verweise ich hier aber nur auf die Artikel über den Autor Philip Roth und den Roman Empörung auf Wikipedia.
(gelesen September 2009)

Keshavjee, Shafique – Der König, der Weise und der Narr

Kategorie: Gelesene Bücher
Andi Meyer am 6. Juni 2009 um 05:00 Uhr

Der grosse Wettstreit der Religionen

Mein Fazit zu diesem exzellenten Buch: Anspruchsvollste Küche wird locker serviert.

Ein Königreich veranstaltet einen Wettbewerb zwischen Islam, Judentum, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Atheismus. Je ein Religionsvertreter wird eingeladen, die eigene Religion vorzustellen. Anschliessend soll entschieden werden, welche Religion das Königreich übernimmt. Der Wettbewerb wird zu einem bewegenden Erlebnis mit zahlreichen Zwischenfällen. Die Rahmenhandlung tippt verschiedene Themen an. Wie gehen Religionen mit fundamentalistischer Gewalt um? Wie reagieren die Religionen auf die persönlichen Gefühle der Menschen? Welche Emotionen weckt der religiöse Dialog? Sie ist deshalb ein zentraler Bestandteil dieses Buches und nicht nur Verbindungsglied der Abschnitte, in denen die einzelnen Relgionsvertreter in Vortrag und Diskussion ihre Theologie erläutern.

Die fünf Religionen und der Atheismus werden kompakt, aber sehr eindrücklich und kompetent präsentiert. Die entsprechenden Textabschnitte des Buches sind wesentlich anspruchsvoller als die lockere Rahmenhandlung. Aber es lohnt sich, diese Passagen aufmerksam zu lesen.

Shafique Keshavjee ist eine meisterhafte Fabel gelungen über das wahrscheinlich schwierigste Thema der Welt. Der Autor ist  als Kind indischer Eltern in Kenia geboren. In der Schweiz hat er Politikwissenschaft und Theologie studiert. Die Orginalausgabe seines Buches erschien 1998 unter dem Titel «Le Roi, le Sage et le Bouffon» in Paris.

(gelesen Mai 2009)

Yesilös, Yusuf – Lied aus der Ferne

Kategorie: Gelesene Bücher
Andi Meyer am 2. Juni 2009 um 05:00 Uhr

Schenker verbrachte die Stunden bis nach Mitternacht mit Nachdenken über mögliche Täter. Immer wieder stellt er sich laut die Fragte: «Wer hat diesen Mann, der hier illegal gelebt hat, umgebracht?» Schenkera Chef hatte angekündigt, er wolle sich mit den Verwandten von Düren treffen, aber unter ihnen befand sich der Mörder höchstwahrscheinlich nicht. Und wenn es doch einer von ihnen gewesen war, würden sie es nie zugeben. Es könnte eine Familienfehde gewesen sein, Blutrache. Doch auch das würden sie nie zugenben. Dazu sind sie noch zu sehr Kurden; sie erzählten nicht freiwillig.

Den Kriminalroman von Yusuf Yeselös habe ich mit viel Vergnügen gelesen. Dies sei vorweg gesagt, gerade weil ich mich über dieses Buch an einigen Punkten auch geärgert habe. Der Blick auf die Schweizer Beamten, die legalen und illegalen Kurden ist glaubhaft. Ebenso die Darstellung der Höhen und Tiefen interkultureller Partnerschaften. Mit Menschen aus der Türkei oder mit Kurden habe ich wenig persönliche Kontakte. Auf Grund zahlreicher Bekannter und Freunde aus dem Nahen Osten erlaube ich mir aber dieses Urteil. Die Kriminalgeschichte ist solide, auch wenn mich die Auflösung des Falles Düren eher enttäuscht hat. Nicht immer gelingt dem Autor eine glaubwürdige Verbindung von interkulturellen, schweizerisch-kurdischen Erlebnissen mit dem Verlauf der Aufklärung des blutigen Mordes im Eingang eines Postgebäudes. Einige der gelungensten Szenen interkultureller Tragikomik bleiben für die Verbrechensaufklärung irrelevant. Umgekehrt trägt die Überführung des Täter nicht wirklich zum Verständnis der unterschiedlichen Kulturen bei. Schade, dass die Verbindung der Ausländerthematik mit dem Plot des klassischen Krimis nicht noch besser gelungen ist.

(gelesen Mai 2009)

Hooper, Mary – Die Schwester der Zuckermacherin

Kategorie: Gelesene Bücher
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Andi Meyer am 23. Mai 2009 um 21:39 Uhr

Auf Grund der guten Rezensionen bei amazon.de habe ich das Buch gekauft und verschenkt. Selbst gelesen habe ich es erst, als es mit negativem Kommentar wieder zu mir zurück kam. Die Geschichte ist simpel, die Charaktere flach. Die angeblich romatische Liebesgeschichte reduziert sich auf einige wenige Begegnungen der beiden Protagonisten. Romantischer “Höhepunkt” ist ein Kuss, der anstatt auf der Wange auf dem Hutband landet. Einen Abschluss hat das Buch nicht. Die Geschichte endet abrupt mitten im ohnehin dürftigen Handlungsstrang. Aus meiner Sicht dient die Erzählung als Vorwand für gruslige Beschreibungen von Pestkranken und Leichenbergen. Diese Schreckensbilder mögen historisch nicht falsch sein, sie sind aber für die Zielgruppe (das Buch ist ab 12 empfohlen) nicht geeignet. Ich möchte Ihnen aber positivere, teils geradezu begeisterte, Rezensionen dieses Buches nicht vorenthalten. Deshalb trotz allem der Link zum Buch auf amazon.de.

Lem, Stanislaw – Rückkehr von den Sternen

Kategorie: Gelesene Bücher
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Andi Meyer am 21. Mai 2009 um 08:13 Uhr

Seit meiner Studienzeit gehört Stanslaw Lem zu meinen Lieblingsautoren. Er kann fremde Welten und unbekannte Technologien in eingängige Sprachbilder zu fassen. Obwohl das Beschriebene jenseits meiner Erfahrungswelt liegt, entstehen durch Lems Sprache lebendige Bilder und Emotionen, wie im Verhältnis zu Gegenständen meines Alltags.

Im Roman Rückkehr von den Sternen (auch erschienen unter dem Titel Transit) kehrt Hal Bregg nach einer zehnjährigen Raumexpedition auf die Erde zurück. Durch die relativistische Zeitverschiebung sind auf der Erde 123 Jahre vergangen. Freunde und Bekannte von Hal sind schon lange verstorben. Die Technologie ist ihm unbekannt, und Hal muss sich in einer fremden Welt mit völlig neuen sozialen Spielregeln zurecht finden. Das Sozialgefüge ist harmonisch und gewaltfrei durch die Betrisierung, einem chemischen Verfahren, dem jedes Neugeborene unterzogen wird. So ist eine Gesellschaft ohne Aggression entstanden. Mit der Aggression sind auch verwandte Verhaltensmuster verschwunden: Konkurrenz, Leistungsdenken, aber auch Initiative und Neugier. Die Menschheit hat die Erforschung des Weltalls weitgehend eingestellt. Raumfahrt findet nicht mehr statt. Es gibt nur noch leichte Sportarten. Und Hal merkt bald, dass die Betrisierung auch massive Auswirkungen auf die Sexualität hat. Das Verhältnis der Menschen, die ihn als Nicht-Betrisierten erkennen, schwankt zwischen Faszination und Angst.

Als weiteres Thema des Romans wird die Relativität der Zeit (Zeitdilatation) wunderbar anschaulich. Raumfahrt in diesen Dimensionen wirft menschliche und wissenschaftliche Fragen auf. Diesen Fragen muss Hal Bregg sich stellen. Interessant ist dabei die Auseinandersetzung Hals mit der in seiner Abwesenheit auf der Erde entstandenen wissenschaftlichen Literatur. Unaufdringlich brint Stansislaw Lem auf diesem Weg dem Leser seine Überlegungen zum Thema näher.

Weitere Informationen:

(gelesen April/Mai 2009)

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