Per Olov Enquist
Denis Schek spricht mit Per Olov Enquist (ARD Mediathek) über dessen Dokumentarroman «Die Ausgelieferten».
Denis Schek spricht mit Per Olov Enquist (ARD Mediathek) über dessen Dokumentarroman «Die Ausgelieferten».
Der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer fällt zur Zeit in den Buchhandlungen ins Auge mit seinem Sachbuch Tiere Essen. Erfolge hat er auch mit seinen beiden Romanen Extrem laut und unglaublich nah
sowie Alles ist erleuchtet.
Sein neustes Projekt trägt den Titel «Tree of Codes». Foer verwendet den Text The Street of Crocodiles des Autors Bruno Schulz. Er bearbetet diesen Text nun nicht als Autor, sondern als Bildhauer. Er schneidet aus dem bestehenden Buch eine neue Geschichte. Verschiedene Buchdrucker lehnten die Umsetzung des Projekts ab. Das Konzept sei unmöglich zu realisieren. Schliesslich widerlegte die belgische Druckerei Die Keure die Aussagen ihrer Konkurrenten.
Foer und Die Keure haben eine literarische Skulptur geschaffen. Es ist ein Werk, dass man anfassen und spüren muss. Ein reales Werk, das sich im aufkommenden Zeitalter des eBooks jeder digitalen Virtualisierung entzieht.
Auf Youtube findet sich ein Video über die Herstellung von Tree of Codes, auf Flickr eine Bildserie.
New York – ganz unten
Lee Stringer hat New York ganz unten kennengelernt. Cracksüchtig und obdachlos haust er in den letzten Winkeln der Stadt. Einen Bleistift trägt er mit, um die letzten Krümel der Drogen in seiner Pfeife zusammen zu kratzen. Bis er ihn eines Tages benutzt, um seine erste Geschichte zu schreiben. Schreiben wird neben den Drogen zu seiner neuen Passion. Lee Stinger beschreibt seine Erlebnisse auf der Strasse. Es entsteht ein Bild von New York jenseits von Business und Tourismus. Schwächen zeigt Stingers Buch dann, wenn er allgemeine, sozialpolitische Überlegungen einschiebt. Diese sind zu flach, um Wirkung zu entfalten. Doch die authentischen Erlebnisse und Begegnungen Stingers entschädigen für diese Schwäche.
Gelesen im November 2010
Als erfolgreicher Strafverteidiger berichtet Ferdinand von Schirach über einige seiner interssantesten Fälle. Das Buch gibt Gelegenheit, sich über Rechtssprechung und Gerechtigkeit Gedanken zu machen.
Gelesen Oktober/November 2010
Hans Giebenrath, exzellenter Schüler, Zweitbester im Landesexamen in Stuttgart, verliert sein Leben. Er ist ein Getriebener. Von den Ansprüchen vermeintlicher Vorbilder angestachelt zwingt ihn sein Ehrgeiz auf einen selbstzerstörerischen Weg. Die natürliche Unbekümmertheit seiner Kindheit geht ihm auf immer verloren. Zu spät zerbricht er am inneren Zwang zum Erfolg in einem Korsett vorgegebener Konventionen. Seine Kraft ist verloren und er hat keine Möglichkeit mehr, dem Ruf einer «dunklen» Freiheit zu folgen. Das Leben Hans Giebenraths ist gescheitert. Doch die Gesellschaft ist gerettet, die Pädagogen haben ihren Auftrag erfüllt:
Harry Hole jagt den Schneemann. In der Zusammenfassung klingt das nach Kinder- und Jugendkrimi. Über unsägliche 489 Seiten wird es eine Aufreihung von unzusammenhängenden Thrillerelementen, abstrusen Gewaltszenen und nicht-nachahmenswertem Sex. Harry Hole bin ich in diesem Krimi zum ersten Mal begegnet. Anfangs sympatisch, stolpert er bald durch Alkoholexzesse, Betten und Verhaftungen vermeindlicher Täter. Am Ende suchen die Kollegen seine Leiche am Fuss des Holmenkollen. Doch Harry hat sich vor dem Absturz gerettet. Er hat auch seinen Abgang als tragischer Held verstolpert.
Bei Amazon finden sich euphorische Lobeshymnen, wie Nesbø sich hier selbst übertreffe. Auf dem Buchumschlag steht, dies sei der beste Nesbø. Das kann ich nicht beurteilen, denn es bleibt mein Einziger.
Harry Mulisch (Das Attentat) starb im Alter von 83 Jahren in Amsterdam an einer Krebserkrankung. Der niederländische Premierminister sprach von einem grossen Verlust für Holland und die Literatur. «Der Anschlag» war Mulischs erster Bestseller. Er hinterlässt und über 30 Werke, darunter einige die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt sind.
Quelle: BBC; Bild: By Mauritsvink [Public domain], from Wikimedia Commons
Beim Eintauchen in Christopher Boones Welt habe ich im Oktober 2010 supergute Stunden erlebt. Mir hat das Buch gefallen: warm, sanft, humorvoll und etwas abgedreht.
Christopher Boon hat eine leichte autistische Störung. Es ist am liebsten allein. Menschen, vor allem Fremde, irritieren ihn. Er versteht ihre Gefühle und Reaktionen nicht. Sein Zuhause ist die Mathematik, vor allem die Welt der Primzahlen. Als der Hund der Nachbarin mit einer Mistgabel ermordet wird, schlüpft Christopher in die Rolle seines Vorbilds Sherlock Holmes und will das Verbrechen aufklären. Dabei entdeckt er wenig, was mit dem Tod des Hundes zu tun hat, aber vieles über das Leben seines Vater und seiner Mutter. Gegen alle inneren Widerstände traut er sich schliesslich alleine aus seiner Welt und macht sich auf den Weg nach London.
Was mich vor allem interessiert: Erhalte ich durch dieses gelungene Buch einen autentischen Einblick in die sonderbare Welt eine autistischen Jungen? Ich hatte mir eine Antwort in den Rezensionen bei amazon.de erhofft. Doch Betroffene und Angehörige von Autisten könnten das Buch nicht unterschiedlicher beurteilen. Von Lob in den höchsten Tönen über die realistischen Schilderungen bis zu “der Autor hat von Autismus keine Ahnung” ist alles zu finden. Ein eigenes Urteil kann ich mir nicht anmassen. Es bleiben für mich zwei Erkenntnisse. Erstens: Es hat sich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Zweitens: Die Seelenwelten autistischer Menschen lassen sich wohl ebensowenig über einen Kamm scheren, wie bei allen anderen Menschen auch. Christopher Boone und seine seltsame Welt sind mir jedenfalls ans Herz gewachsen. Ich wünsche ihm und dem Autor noch viele Supergute Tage.
In fünf Episoden, ergänzt durch einen Prolog, stellt Mulisch uns Anton Steenwijk vor. Der Roman beginnt 1945 in der letzten Phase des zweitn Weltkriegs und endt 1981, als Anton seinem Nachbarsmädchen an einer Friedensdemo in Amsterdam begegnet. Dazwischen liegen sechundreissig Jahre der ungewollten Verstrickung mit dem Attentat auf den Nation alsozialisten und Kollaborateur Polizeioberinspektor Flake Ploeg. Gelesen im Sommer 2010
Urs Blank ist erfolgreich, ein knallharter Wirtschaftsanwalt. Hinter der erfolgreichen Karriere bröckelt sein Leben. Da trifft er die junge, alternative Lucille. Mit ihr sucht Blank Selbsterfahrung mit halluzinogenen Pilzen. Die Selbsterfahrung wird zum Weg ohne Wiederkehr. Blank verliert die letzten Gefühle und jede Selbstkontrolle.
Ich habe den Roman von Martin Suter im Oktober 2010 mit grossem Vergnügen gelesen.